Forschungsprojekt Compliance

Prof. Dr. Daniel Graewe (links) mit Nita Sophia Karkheck (rechts) während einer Podcast-Aufnahme

Projektteam

Prof. Dr. Daniel Graewe (NORDAKADEMIE Hochschule der Wirtschaft), Nita-Sophia Karkheck (NORDAKADEMIE Hochschule der Wirtschaft)

Projektpartner

Prof. Dr. habil. Patrick Ulrich (Hochschule Aalen), Prof. Dr. Ralf Kölbel (Ludwig Maximilians Universität München, Lehrstuhl für Strafrecht und Kriminologie)

Projekt läuft seit

Juli 2018

Bewilligungszeitraum

3 Jahre

Fördersumme

411.000 Euro

Projektziel

1. Forschungsprojekt zu Korruptionsneigung von Familienunternehmen: Sind Familienunternehmen   korruptionsanfälliger als große börsennotierte Unternehmen?

2. Forschungsprojekt zu Whistleblowing: Was motiviert Whistleblower zu Meldungen und wie kann in Unternehmen ein positives, aufrichtiges Meldeverhalten gefördert werden?

3. Forschungsprojekt zu Compliance: Empfehlungen, wie Compliance-Maßnahmen an die Novellierungen gesetzgeberischer Neuerungen angepasst werden können

Projektergebnisse im Jahr 2018 und 2019

1. Korruption ist für viele Unternehmen auf dem Heimatmarkt und vor allem auf bestimmten Auslandsmärkten ein Problem. Durch die Nicht-Beteiligung an dem Wettbewerb um die höchste Korruptionszahlung, gehen in Folge Aufträge verloren. Mit dem Einlassen auf Korruptionszahlungen, riskiert man erhebliche Strafbarkeitsrisiken. Familienunternehmen sind häufig Hidden Champions mit einer hohen Exportorientierung, sie können trotz ihrer Werteorientierung anfälliger für Korruption sein als große Unternehmen.

2. Whistleblowing gilt als sehr effektives Tool, um Missstände in Unternehmen aufzudecken. Es ist jedoch nach wie vor umstritten. Zum Teil werden negative Auswirkungen auf das Unternehmensklima gefürchtet. Zugleich zeigt die Empirie aber, dass gravierende Verfehlungen durch Whistleblowing aufgedeckt werden können. Wie Unternehmen wirksame Meldesysteme einrichten können, die zudem den Bedürfnissen von Missstands-Insidern entgegenkommen, soll in diesem Projekt gezeigt werden.

3. Um die unternehmerische Praxis auf die geplanten gesetzgeberischen Neuerungen (FiSG, VerSanG sowie die umzusetzende EU-Whistleblower-Richtlinie) und den hieraus resultierenden Chancen und Risiken einzustellen, entwickelt das Forschungsprojekt Compliance Empfehlungen, wie Compliance-Maßnahmen an die Novellierungen angepasst werden können. Der Fokus soll hierbei auf der haftungsreduzierenden Wirkung adäquater Compliance-Management-Systeme (CMS) und der Verpflichtung zur Implementierung dieser liegen. Bisher bietet das deutsche Recht weder eine Legaldefinition noch können die betroffenen Unternehmen auf einheitliche Standards zurückgreifen.

Projektergebnisse im Jahr 2020

Das Teil-Forschungsprojekt zur Korruptionsneigung in Familienunternehmen wurde insbesondere unter der operativen Federführung von Anjuli Unruh und Vanessa Frank fortgesetzt. Im Jahr 2020 wurde eine Experimentalstudie zum Projekt durchgeführt sowie eine empirische Fragebogenaktion.

Im Projekt-Teilbereich „Whistleblowing“ wurden die letzten Interviews geführt. Daneben lag der Arbeitsschwerpunkt bei der Auswertung des Interviewmaterials und der Anfertigung der Abschlusspublikation „Berücksichtigung von Belastungslagen und Erwartungen von Hinweisgebern bei der Gestaltung von unternehmenseigenen Meldesystemen“.

Der 3. Teilbereich des Projekts zum Thema „Compliance“ wurde im Herbst 2020 fortgesetzt, nachdem Prof. Dr. Graewe die Leitung des Projekts von Prof. Dr. Behringer übernommen hatte.

Mit einem von Prof. Dr. Daniel Graewe herausgegebenen Sammelband steht die erste Publikation im Rahmen des Projektes bevor. Ausgehend von den Grundlagen der Compliance stellen hierin Autoren aus Wissenschaft und Praxis konkrete Anwendungsbereiche sowie CMS im internationalen Vergleich dar. Der wissenschaftliche Austausch wird im Jahr 2021 im Rahmen mehrerer Konferenzen gefördert.

Im Rahmen des Forschungsprojekts analysieren Prof. Dr. Daniel Graewe und Sophia Karkheck außerdem in ihrem Podcast „Corporate Crash“ jeden Monat einen bekannten Unternehmensskandal. Alle Folgen finden Sie HIER.

Publikationen

  • Kölbel/Herold: Grundfragen zur Einrichtung unternehmenseigener Hinweisgebersysteme: Der Forschungsstand zu deren Funktionen und Funktionalität“ (ZGR 6/2020).
  • Behringer, Stefan, Ulrich, Patrick, Frank, Vanessa, Unruh, Anjuli: Instrumente des Compliance‐Managements im Mittelstand ‐ Implikationen für die Corporate Governance, Zeitschrift für Corporate Governance (VHB JQ 3: D) 15. Jg. (2020), No. 4, 155‐161.
  • Ulrich, Patrick, Behringer, Stefan: Compliance‐Organisation in Familienunternehmentheoretische Möglichkeiten und empirische Validierung, Zeitschrift Risk, Fraud & Compliance, 14. Jg. (2020), No. 3, 103‐107.
  • Ulrich, Patrick, Behringer, Stefan, Frank, Vanessa, Unruh, Anjuli: The effect of personality and gender on individuals’ propensity for corruption and corrupt behavior, S. Behringer, L. Nadig (eds.): CARF Luzern 2020 Konferenzband, 2020, 255‐259.
  • Ulrich, Patrick, Behringer, Stefan, Frank, Vanessa, Unruh, Anjuli, Implementierungsstand des Compliance‐Managements in der Unternehmenspraxis, Band 4 der Schriftenreihe “Erfolgsfaktoren der Unternehmensführung” des Aalener Instituts für Unternehmensführung (AAUF), Aalen University, 2020.